Warum Menschen mit schlechter Erfahrung schlechte Berater sind.

Steile These. Ich weiß. Natürlich sollte klar sein, daß man das nicht verallgemeinern kann. Das extra zu betonen, finde ich ziemlich nervig, denn halbwegs intelligente Menschen sollten das Wissen.

Aber nun erst einmal ein paar Worte zu diesem Beitrag. Die letzten beiden Beiträge und nun auch dieser hat unterscheidet sich von all den Beiträgen, die ich zuvor verfasst habe. Zum Einen sind sie sowohl an BDSMer gerichtet, als auch an diejenigen, die damit nichts anfangen können. Zum anderen geht es um Themen, die mich schon lange beschäftigen. Das meißte davon betrifft Twitter. Ich nutze Twitter seit knapp 4 Jahren. Und es verändert sich. Ich beobachte das zum Teil überrascht, zum Teil amüsiert und zum Teil mit Schrecken und Wut. Darüber zu schreiben hilft mir das Ganze zu reflektieren. Ob ich manches nicht doch etwas zu verbissen sehe. Ich erwarte nicht, daß meine Meinung geteilt wird. In den letzten Tagen habe ich tolle Reaktionen bekommen. Das freut mich sehr. Und ich freue mich auch weiterhin über Reaktionen. Auch über die, wenn Ihr Dinge anders seht. Und gerne diskutiere ich über andere Meinungen, wenn der Ton stimmt.

So. Nun aber zum heutigen Thema.

Ich glaube, jeder Mensch hat schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Ob in Partnerschaften, beruflich oder familiär. Eins eint jeden, der davon betroffen war: Irgendwas geht kaputt. Vertrauen, sexuelle Lust, Lebensfreude.

Einige Menschen stecken das Erlebte weg, schütteln sich und leben ihr Leben unverändert weiter. Andere brauchen eine Therapie, um Dinge zu verarbeiten. Der weitaus größte Teil frisst Dinge in sich hinein. Ich persönlich finde eine Therapie und gute Freunde sehr hilfreich. Mir hat neben der Therapie auch ein offener Umgang mit meiner Geschichte geholfen. Wie dem auch sei. Jeder geht anders damit um. Jeder möchte diese Erfahrungen aber anderen ersparen.

Aber wo ist denn dann das Problem? Wenn ich etwas schlimmes erlebt habe, entwickel ich eine Antenne für sowas. Ich werde hellhörig, wenn mir Dinge zu Ohren kommen. Augenblicklich springt mein Beschützerinstinkt an. Das ist gut. Ich kann eingreifen. Meine Bedenken mitteilen. Vielleicht meine Erfahrungen teilen. Bis hier ist es perfekt. Solche Menschen kann es nicht genug geben.

Schwierig wird es dann, wenn ich in allem was anders ist, problematisches Verhalten sehe. Zum Beispiel: Ich hatte eine TPE Beziehung, die völlig aus dem Ruder lief. Eine, die mich psyschich zerstört hat. Die Chance ist groß, daß ich so etwas nicht mehr möchte. Allerdings bin ich davon überzeugt, daß TPE grundsätzlich schädlich ist.

Oder ich habe schlechte Erfahrungen mit jemandem gemacht, der mich zu sehr einengt. Obwohl ich kommuniziert habe, daß ich das nicht möchte. Jetzt halte ich jeden, der mir ein Kompliment macht und mich mehrfach anruft für einen Stalker.

Ich projeziere meine Geschichte auf jeden, der sich nicht meinen Vorstellungen entsprechend verhält.

Wie also kann ich, die voll mit Vorurteilen ist, anderen Menschen sagen, was richtig und was falsch ist? Wie kann ich beurteilen, ob einer anderen Person TPE gefällt? Oder das es sogar „ungesund“ ist? Wie kann ich anderen die Vielseitigkeit von BDSM zeigen, wenn ich so viele Vorurteile habe?

Warum kann ich nicht einfach zuhören und Hilfe anbieten, wenn ich darum gebeten werde? Andererseits mir aber Zeit nehmen, um auch mal darüber zu reden, was ihnen an Praktiken gefällt, die ich nicht mag.

Eine gelungene Hilfe für Einsteiger wäre, sich mit allen Seiten zu beschäftigen. Andere zu Wort kommen zu lassen. Fragen zu stellen. Genau das ist es, was ich mir als Anfänger wünschen würde.

Zu vermitteln, es gibt bestimmte feste Regeln ist kontraproduktiv. Oder ein bestimmtes Verhalten dürfe nicht sein. Es gibt kein gutes oder schlechtes BDSM, wenn sich alle Beteiligten wohl damit fühlen.

Anfänger brauchen keine Vorschriften oder goldene Regeln. Sie brauchen Tipps, wer ihnen etwas über Petplay, ddlg, Spielbeziehungen, d/s erzählen kann.

Ängste sollten nicht geschürt werden. Sondern Hilfe sollte angeboten werden. Zum Beispiel als Cover.

Jemand, der noch nicht seine Dämonen besiegt hat, sollte sich nicht zum allwissenden Ratgeber aufschwingen.

So. Das war es erst einmal. Ich steigere mich gerade ziemlich rein. Und bevor ich noch weiter gehe, schließe ich für heute.

Veröffentlicht in BDSM

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