Sarah und Martin

Auf Twitter kennt man Sarah als @CDsarahblume und Martin als @EmEmBDSM. Und da dies wirklich ganz besonders außergewöhnliche Persönlichkeiten sind, freue ich mich sehr, daß sie mir Rede und Antwort gestanden haben.
Martin folge ich schon sehr lange und er gehört für mich zu den seriösesten BDSM Accounts auf Twitter.
Sarah ist toll. Ihre Persönlichkeit fasziniert mich und ich möchte sie unheimlich gerne einmal kennenlernen.
Da das erste Interview erst einmal ein Versuch war, gibt es nur wenige Fragen. Aber es wird noch ein weiteres folgen. (Ha.. Überraschung ihr beiden.)
Hier könnt ihr die beiden noch besser kennen lernen
Also dann.

Frage 1.
Seit wann existiert Sarah. Wann genau wurde sie das erste Mal real. (Schätze, die Frage ist nur von Martin zu beantworten.)

M: Sarah existiert seit mehr als 10 Jahren …
S: Ich bin erst 10 Jahre alt und schon sooo verdorben 😉 Mein gefühltes Alter ist zwischen 16 und 25.
M: … allerdings nicht in der körperlichen Form. Damals war der Begriff „genderfluid“ noch nicht so verbreitet.
S: Somit wurde ich als Nicht-Binär geboren.
M: Absolut korrekt: Deine Körperlichkeit ist vielleicht 2 Jahre alt.

Frage 2
Hast du je darüber nachgedacht, diese Seite nicht auszuleben?

S: Als Martin die SM-Beziehung zu einem Mann hatte, war ich in seinem Kopf verankert.
M: Richtig. Ich hatte immer diese Vorstellung Frau zu sein, weibliche Schlampe zu sein, im Gedächtnis.
S: Auch äußerlich?
M: Noch lange nicht. Damals war ich einfach „nur“ MaleSub, aber in meinem Kopf war diese Idee der „umgekehrten Heterosexualität“ und dafür brauchte ich Dich.
S: Du bist doch Bi-Sexuell?
M: Du bist Sub, das verstehst Du nicht 😉
S: Das wird es wohl sein 🙂
(beide lachen laut und schauen sich verliebt an)
M: Ein anerkannter Psychologe kann das gerne mal in einer Doktorarbeit beschreiben. Wenn ich Sex mit Männern hatte, war ich im Kopf immer Frau. Und nur so konnte (und kann) ich meine Bi-Sexualität ausleben.
S: Kannst Du das verdeutlichen?
M: Ich kann nur als Frau Männer küssen und mit Ihnen kuscheln. Und das sogar sehr intensiv – je nach Lage. Als Mann hatte ich da immer eine Blockade im Kopf. Mittlerweile bist Du ja da, weswegen ich mir da keinen Kopf mehr darum mache. Um die Frage zu beantworten: Nein … seit Sarah in meinem Kopf ist hatte sie vielleicht eine längere Auszeit. Als Switcher hat man ja so Phasen, wo man eher dominant oder devot eingestellt ist. Momentan haben beide den gleichen Raum in meinem Leben mit leichten Vorteilen für Sarah.

Frage 3
Falls du dich entscheiden müsstest, würde Martin oder Sarah den BDSM Teil übernehmen?

M: Da ich nicht entscheiden muss, lasse ich das einfach aus. Sarah ist jedoch derzeit deutlich aktiver als Martin, schon alleine der Sexarbeit wegen.
S: Sollte Martin irgendwann mal keine Subs mehr haben, was nicht ansteht, dann würde ich wohl komplett übernehmen. Als Sexarbeiterin habe ich auch weibliche Subs zur Kompensation. Und ich bin sehr stolz darauf dafür keinen Penis nutzen zu müssen.

Frage 4
Wie schwer oder leicht fällt die Umstellung? Zum Beispiel.. Martin trifft sich mit einer Sub, 2 Stunden später hat Sarah ein Date.

S: So was gibt es nicht. Martins Dates sind geplant, weil er nur als Hetero unterwegs ist. Seine weiblichen Kunden lassen ihn nicht eben mal so „antanzen“. Das dauert zT Wochen, bis ein Date zustande kommt.
M: Absolut. Deswegen nimmt Sarah auch den Hauptteil des „üblichen“ Lebens ein. Sie existiert sozusagen „auf Abruf“. Diese Entscheidung ist nicht unbedingt nur purer Pragmatismus, weil ich es leid bin als Mann irgendwo hin zu fahren, um mich dann vor Ort erst umziehen zu können oder im Auto. Sarah ist ein Teil von mir. Sie ist die „Cashcow“ in der Familie, also hat sie den Vorrang im Alltag.

Frage 5.
Wird Sarah im Freundeskreis anerkannt?

S: Ich bin voll geoutet. Das war ein wichtiger Schritt in meine persönliche Freiheit. Dazu kommt, dass ich auch in der Familie nicht um Erlaubnis gebeten habe, wie ein kleines Kind. Sondern eine Info abgegeben habe, wie es um mich steht. Mit der Konsequenz der Ablehnung, die dann doch nicht kam.
M: Es macht schon Spaß, nur wenn es um Dates geht, zu fragen wer denn erscheinen soll. Weil damit auch eine gewisse Sexualpräferenz verbunden ist. Also Sarah als Sub und ich als Dom. Im Alltag gibt es nur Sarah. Ende Gelände. Meine Subs kennen Sarah, aber mit Ihnen bin ich gerne Martin und Sarah kommt in den Kleiderschrank. Das ist kein Problem für mich.
S: Es war ihm wichtig mich seinen Subs vorzustellen. Schließlich bin ich ein Teil seines Lebens. Aber auch in diesem Outing ging es nicht um Erlaubnis. Sondern um eine sehr vertrauliche Mitteilung. Auch mit der Konsequenz lebend, dass seine Subs nicht damit klar kommen.
M: Wenn meine Subs bei mir sind, dann geht Sarah ja auch arbeiten. Somit kommt Martin nicht „nach Hause“ und ergeht auch nicht „morgens aus dem Haus“. Das ist schon heftig für eine Frau, die sich ja in einen Mann verguckt hat. Transparenz, Kommunikation, Verständnis und Rücksichtnahme sind einfach immer zu allem ein gutes Konzept.

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